Autor Thema: Was machen Topspieler besser als man selbst?  (Gelesen 18 mal)

SchwillTiger

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Was machen Topspieler besser als man selbst?
« am: Heute um 03:48:40 Vormittag »
Mit dieser Frage beschäftige ich mich seit Tag 1. Ich habe immer schon versucht, von den Besten zu lernen. Dazu haben mir vor allem die Datenbanken geholfen:

Solofrequenz
Erfüllung von Absagen
Ansagefrequenz
Gewinnquote
Punkte als Re
Punkte als Kontra

Viele Dinge geben die Datenbanken aber leider nicht her:

Sieg-Quote Re-Kontra-Spiele
Frequenz Bildersolo mit nur 3 Trumpf
Häufigkeit "Aufspiel Ass mit Re"
Häufigkeit Trumpfaufspiel ohne Aktion
Gewinnquote Spiele ohne Ansage
usw.

Außerdem haben mir natürlich sehr die Foren geholfen. RUs, WC, Silberfuchs, Ossi und Tront sind hier in erster Linie zu nennen, von denen ich sehr viel gelernt habe.

Welche Erkenntnis habe ich bisher gewonnen? Im Endeffekt machen sie alles besser. Aber jeder einzelne Punkt ändert nur ein klein bisschen. Unterschiede gibt es auch zwischen den Topspielern, also ist es manchmal eben doch nur eine Frage der Spielphilosophie? Ich denke nicht. Ich denke es gibt ein Optimum, aber der Effekt auf die Winrate ist eben marginal, wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat.

"Doppelkopf ist ein Kartenmerkspiel" hat WC früher immer gesagt. Das ist sicherlich richtig, wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat. Wir haben bei uns im Verein eine Gedächtnisweltmeisterin. Sie ist aber nicht die Beste im Verein. Also Karten merken alleine reicht auch nicht.

Über zwei Ecken habe ich gehört, dass ein Topspieler meinte: "Die Allerbesten machen nicht großartig Anderes und nicht alles was sie anders machen ist besser .Sie unterscheidet eine Sache immens: Sie machen keine groben Schnitzer!"

Ich bin davon überzeugt, dass alles richtig ist. Mein Fahrplan war folgender:

1. Spielplan, grobe Strategie (Dullenvorspiel, Partner nicht stechen, keine Asse schmieren etc.)
2. Wichtige Karten merken (ca 10, welche auch immer)
3. Strategie ausbauen (Zögern, Gabel aufbauen, geschickte Farbnachspiele)
4. Unterschiede zwischen Topspielern und mir feststellen (insbesondere Solo Auswahl, Ansage Frequenz, letzte(n) Stich(e) machen (Gabel)) und abstellen
5. Mehr Karten merken (bis zu 25)
6. Strategie Feinschliff (Charly machen und töten, Dokos verhindern)
7. Flüchtigkeitsfehler abstellen
...

Das ist bestimmt nicht der beste Fahrplan. Ich denke da muss jeder irgendwie auch seinen eigenen Weg finden.  Auch anhand seiner Fähigkeiten und Vorlieben. Sicherlich gab es auch Zwischenschritte.

Aber lässt man bestimmte Schritte aus, wird es glaube ich für die meisten sehr schwer, ein bestimmtes Niveau zu erreichen. Ein Punkt, der bei mir noch wirklich keinerlei Beachtung gefunden hat: Augen zählen. Da ist für mich sicherlich auch noch was zu holen. In meinen Augen wird dieser Punkt von Anfängern überschätzt. Blöd gesagt: "Wenn ich das Maximum aus meinem Blatt raushole, dann brauche ich auch nicht mitzuzählen." (Ist nur bedingt richtig, da es keinen Unterschied macht, ob ich 60 oder 89 Augen mache. Dann lieber 60 und den Charly töten).

Ich bin aber auch davon überzeugt: Eine Kopie ist nie so gut wie das Original. Wenn ich besser werden will, muss ich Dinge anders machen. Nicht alles, aber da wo man eben noch Potential sieht. Und ich bin überzeugt: Das gibt es
Kaum ein Spiel  ist mathematisch gelöst. Ein Spiel mit 4 Spielern, 48 Karten und ohne Aussicht auf finanziellen Erfolg, wenn man es denn lösen würde, schon mal gar nicht. Diese Ansicht hat rein gar nichts mit Arroganz zu tun, sondern beruht allein auf meinem Interesse an dem Spiel und meinem Ehrgeiz, besser zu werden, was mir Jahr für Jahr gelingt.

Und dass Verbesserungen nur von oben stattfinden dürfen (Top-Down), finde ich weder in Betrieben noch beim Doppelkopf richtig. Bottom-Up Vorschläge sollten zumindest geprüft und nicht im Keim erstickt werden.

Die Doppelkopfszene kam mir immer schon sehr hierarchisch vor. Wer etwas galt könnte sich alles erlauben. Sowohl bei seinen taktischen Entscheidungen als auch was das Zwischenmenschliche live am Tisch anging. Mein Ziel ist es immer noch, zu den Besten dazu zu gehören. Auch wenn es mir außer mir selbst keiner zutraut. Mein jetziges Niveau haben mir früher auch nur wenige zugetraut.
« Letzte Änderung: Heute um 06:18:02 Vormittag von SchwillTiger »